Triest erklärt Notstand, Grenzkontrollen zu Italien und Slowenien

Nach über 60 Jahren illegaler Okkupation und ständiger Überfremdung durch den italienischen Staat reicht es den Triestinern, seit 15. August werden an den Grenzübergängen zu Italien und Slowenien Grenzkontrollen durchgeführt.

Ursprünglich hat alles so harmlos angefangen, erinnert sich Paolo Nogrenzo im Gespräch mit unserem Redakteur am Piazza Grande in Triest.

"Österreich verlor den Krieg, Triest kam zu Italien und dann fing die Misere an, zuerst änderten Sie unsere Namen, weil wir deutsche oder slawische Vorfahren hatten und die eben nicht italienisch waren und dann haben sie uns auch noch erklärt wir wären Italiener."

Tatsache, nachdem Italien 1947 auch am Papier den zweiten Weltkrieg verloren hatte musste es neben Istrien auch Triest abtreten, dieses wurde ein Freistaat und dann kam der Kalte Krieg.

Bild 1: Die Grenze zwischen Triest und Italien anno 1950.

Die Stadt und einige umliegende Ortschaften standen bis 1954 unter amerikanisch-britische Militärverwaltung, dann übernahm die italienische Regierung  nach dem Memorandum von London die Verwaltung. Bis sich der UNO Sicherheitsrat auf einen Gouverneur und die Fortsetzung des Staatsbildungsprozess geeinigt hat, bleibt Triest unter italienischer Verwaltung.
"Naja und darauf warten wir bis zum heutigen Tag!", erklärt Paolo Nogrenzo und setzt fragend mit "Vielleicht sind wir unter dem Aktenberg in New York untergangen?", sein Statement fort.
Die Vorfahren von Nogrenzo hießen übrigens "Nichtgrenzer" und dienten als Soldaten im Krieg gegen Italien, zwar hätte Paolo heute das Recht seinen Namen zu deitalienisieren, der bürokratische Aufwand ist ihm aber zu hoch.

Nachdem Italien die Macht in Triest wieder an sich riss, verleugnete man den Sonderstatus des "Freien Territoriums Triest" und machte Triest wieder zu einer italienischen Stadt, die aus Istrien vertriebenen Italiener wurden in Triest angesiedelt, bekamen Wohnungen und Arbeit, die Triestiner schauten durch die Finger und Hafen, Verkehr und Unternehmen wurden in andere Städte verlegt.

"Selbst die Generali hat nun ihre Zentrale nach Mailand verlegt", jammert Norberto Inkasso, ein nun arbeitsloser Versicherungsangestellter.

61 Jahre später erkennen die Triestiner aber nun nicht einmal ihre eigenen Regional-Politiker als solche an, sagen die seien illegal gewählt worden und stellen Schlagbäume Richtung Italien auf. "Die italienische Zuwanderung muss aufhören", heißt es nun auf Radio Trieste Libera.

Bild 2: Triest 2015, Aktivisten des Movimento Trieste Libera ziehen die Grenze wieder auf.

Die triestinische Bevölkerung geht nun auch auf die Straße und zeigt ihren Unmut, "Triest ist nicht Italien" steht in deutscher Sprache auf den Transparenten. Touristen aus Österreich schmunzeln ǘber diese Aktionen, "Ja recht habens, die Triestiner sind ja eigentlich Österreicher!", sagt Werner F. aus Wien.

Bild 3: Schon fast ein tägliches Bild, Triestiner marschieren in der Innenstadt von Triest und demonstrieren gegen die italienische Besetzung.

Etliche Süd-Tiroler Touristen stimmen in die Chöre mit ein und fordern auch Freiheit für ihr Land, sowie alle nach 1918 von Italien okkupierten Gebiete.

Für die Freiheitsbewegung Trieste Libera ist der Zuspruch zu den Aktionen, "Wasser auf die Mühlen die die Freiheit bringen" erklärt ein sichtlich zufriedener Roberto Giurastante, der Präsident der Bewegung mit ihren über 2.000 Mitglieder ist.

Ein vom Fall peinlich berührter UNO-City Mitarbeiter möchte unerkannt bleiben und sagt uns nur so viel:
"Eigentlich haben die Triestiner vollkommen recht mit ihrem Protest, die Italiener haben Sie betrogen. Triest steht nur unter italienischer Verwaltung. Nur wir schweigen dazu, weil wir haben bei der Übersiedlung von New York nach Wien den Sonderakt Triest irgendwie "verschlampt" und finden den Ordner nun nicht mehr."

Ob der Fall Triest nun endgültig ad acta gelegt wird, weiß man nicht, in Rom musste man letztes Frühjahr sogar eingestehen, dass man die italienische Verfassung nicht mehr finde. Jetzt hat das Land nach 10 Jahren (!) eine Neue!

Ciao Italia!

Gepostet am 21. 08. 2015